Pathologischer Befund - Königspython

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Bee1980
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Pathologischer Befund - Königspython

Beitrag von Bee1980 » Di Apr 06, 2021 15:10

Hallo Zusammen, ich bin neu hier und hoffe, Ihr könnt mir meine Fragen beantworten.
Wir haben uns im Januar einen jungen Königspython geholt, der am Kopf eine vernarbte Stelle hatte.
Meinem Sohn ist das sofort aufgefallen und er hat sich Sorgen gemacht.

Leider ist der kleine vor 3 Wochen verstorben und wir haben ihn bei der Klinik für Vögel, Kleinsäuger und Reptilien zur pathologischen Untersuchung gegeben.

Dabei kamen ziemlich viele fiese Dinge raus.
Diagnose: Infektion mit Salmonellen (Salmonella enterica spp. arizonae), Verdacht auf Viszeralgicht, traumatische Schädelwunde (bis auf den Knochen), Hepatopathie, Nephropathie.

Die letzten 3 Wochen vor seinem Tod hat er nicht mehr gefressen.
Ich habe 2 x mit der Tierärztin telefoniert und sie meinte dass das noch kein Grund sei sich Sorgen zu machen.
Ausserdem möchte sie dem Tier nicht zusätzlich Stress bereiten und wir sollen erstmal nicht in die Praxis kommen.

Gekauft haben wir das Tier in einem Zoofachgeschäft.

Meine Fragen:
Was mache ich mit der Diagnose der Salmonellen? Das wurde dem Veterinäramt gemeldet.
Ich kann gerne Bescheid geben, woher wir den kleinen Python haben. Oder sind wir Schuld an der Salmonelleninfektion?
Kaputte NIeren und Leber - ist das aufgrund von schlechter Haltung? Hätten wir das verhindern können.

Das Terrarium ist: 150 cm x 50 x 60 cm groß.
Luftfeuchtigkeit ca. 75 %
Wärme tagsüber: 31 Grad, Nachts: 23 Grad.

tägl. frisches WAsser, Wetbox, viele Versteckmöglichkeiten, Korkröhren, Reptilienerde.

Muss ich alle Gegenstände entsorgen? Nur die Erde?
Möchte auf keinen Fall die Salmonellen weiterhin im Terrarium haben.

Was muss ich denn nun machen, damit ein "neues" Tier (von der Auffangstation) einziehen kann?

Danke für Eure Hilfe und liebe Grüße
Sabine

Spielverderber
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Re: Pathologischer Befund - Königspython

Beitrag von Spielverderber » Di Apr 06, 2021 16:54

Bee1980 hat geschrieben:
Di Apr 06, 2021 15:10
Die letzten 3 Wochen vor seinem Tod hat er nicht mehr gefressen.
Ich habe 2 x mit der Tierärztin telefoniert und sie meinte dass das noch kein Grund sei sich Sorgen zu machen.
Ausserdem möchte sie dem Tier nicht zusätzlich Stress bereiten und wir sollen erstmal nicht in die Praxis kommen.
Der Tod des Tieres ist rückblickend wohl doch ein Grund, weswegen man sich anhand des Befundes hätte Sorgen machen müssen. Ich bin zwar kein Tierarzt, habe aber schon das eine oder andere veterinärmedizinische Fachbuch gelesen, und habe auch ein klein wenig praktische Erfahrung in der Schlangenhaltung... daher denke ich, kann man einem bereits toten und sezierten Tier keinen zusätzlichen Streß mehr bereiten.

Vielleicht bringst Du Deinen Beitrag nochmal in eine sinnvolle zeitliche Abfolge? Drei Wochen Futterverweigerung wären in der Tat kein Grund sich Sorgen zu machen, gerade nach Eingewöhnung in eine neue Umgebung, Tierarztbesuch, Behandlung etc. nicht.

Das Terrarium würde ich persönlich vorsorglich vernichten und dringend dazu raten, eventuelle Neuzugänge in Quarantäne zu halten, bevor sie in ihr endgültiges Terrarium einziehen.
Ebenso vorsorglich würde ich keine in irgendeiner Form auffälligen, sprich verletzten, vernarbten etc. "Jungtiere" kaufen, gerade als (offensichtlicher) Neueinsteiger nicht. Besonders von sog. Mitleidskäufen ist abzuraten. Erhält man z.B. per Tierversand ein irgendwie verletztes Tier, sollte der Verkäufer darauf angesprochen werden, und man tritt vom Kauf zurück, sofern der "Defekt" nicht bereits bekannt war. Gleiches gilt für Tiere aus dem Zoohandel, wo man im worst case nie die Gelegenheit zur vorherigen Inaugenscheinnahme hatte.

Bee1980
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Re: Pathologischer Befund - Königspython

Beitrag von Bee1980 » Mi Apr 07, 2021 9:06

Rückblickend ist man immer schlauer. Finde ich nicht wirklich sinnvoll das zu sagen.
Zumal wir nichts vernachlässigt haben. Chronische Krankheiten wie Nephropatie oder Hepathopatie sieht man von außen leider nicht. Die ersten Wochen war der Kleine aktiv und hat sich ganz schlangen-normal verhalten.

Ich habe gestern lange mit der Tierärztin telefoniert und sie sagte, dass sie noch nie ein so junges und so krankes Tier gesehen hat. Wir hätten da echt Pech gehabt (ich finde das arme Tier hatte noch viel mehr Pech!)

Die Pathogenität der Salmonellen ist umstritten. Von daher warte ich jetzt einmal ab, ob wir das komplette Terrarium entsorgen oder nur die Einrichtung.

Heute besprechen wir uns noch mit einem Bakteriologen der LMU. Bin gespannt was der dazu sagt.

Viele Grüße
Sabine

Bee1980
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Re: Pathologischer Befund - Königspython

Beitrag von Bee1980 » Mi Apr 07, 2021 9:08

Worin ich Dir absolut recht gebe ist, dass wir nie wieder ein Tier mit einem "offensichtlichen Defekt" wie z. B. die Vernarbung am Kopf, kaufen werden. Wir werden uns vertrauensvoll an die Reptilien Auffangstation in München wenden, wobei wir ziemlich sicher sein dürfen, dass das Tier, welches uns gegeben wird, durchgecheckt und gesund ist.

Liebe Grüße
Sabine

Spielverderber
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Re: Pathologischer Befund - Königspython

Beitrag von Spielverderber » Mi Apr 07, 2021 9:46

Bee1980 hat geschrieben:
Mi Apr 07, 2021 9:06
Rückblickend ist man immer schlauer. Finde ich nicht wirklich sinnvoll das zu sagen.
Habe ich auch nicht gesagt, obwohl man meine Worte sicherlich so interpretieren kann. Und doch, man ist definitiv immer hinterher erst schlauer, gerade in den nicht offensichtlichen Fällen. Was ist daran nicht sinnvoll? Du mußt nicht jedes Wort als persönlichen Angriff werten, denn den gab es nicht, ich habe ganz im Gegenteil sogar darauf hingewiesen, daß dreiwöchige Futterverweigerung pauschal betrachtet, bei dieser Art, kein Problem ist.

Ich habe in erster Linie die dargestellte zeitliche Abfolge des Geschehens Deines Beitrages als missverständlich empfunden.
Bee1980 hat geschrieben:
Mi Apr 07, 2021 9:06
Die Pathogenität der Salmonellen ist umstritten. Von daher warte ich jetzt einmal ab, ob wir das komplette Terrarium entsorgen oder nur die Einrichtung.
Nun ja, Reptilien gelten ganz pauschal als Salmonellenträger. In Hinblick auf den Befund muß man sich aber fragen, wie es bei einem jungen (wie jung genau?) P. regius zu so einem Befund kommen konnte, und was ggf. noch alles im argen lag. Sicherlich ist es ärgerlich ein Terrarium zu entsorgen, aber wozu ein unnötiges Risiko eingehen?

Tiere aus Auffangstationen aufzunehmen ist eine gute Sache, obwohl man da eben doch nie mit 100%iger Gewissheit weiß woran man ist. Tierärztlich durchgecheckt, ja klar, aber Du weißt ja nun aus eigener leidvoller Erfahrung, daß man vieles eben nicht sehen kann, und auch im Rahmen der von mir angeratenen Quarantäne nicht wird entdecken können.

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peregrinus
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Re: Pathologischer Befund - Königspython

Beitrag von peregrinus » Do Apr 08, 2021 1:11

Hallo,

erst einmal tut es mir sehr leid für euch, wie das Ganze gelaufen ist.
Bee1980 hat geschrieben:
Di Apr 06, 2021 15:10
Kaputte NIeren und Leber - ist das aufgrund von schlechter Haltung? Hätten wir das verhindern können.
Erst einmal: Ein derartiges Krankheitsbild entwickelt eine Schlange nicht in 3 Monaten. Ich würde behaupten, keine einzige der Diagnosen hat mit eurer Haltung zu tun. Definitiv nicht. Das Problem liegt eher hier:
Bee1980 hat geschrieben:
Di Apr 06, 2021 15:10
Gekauft haben wir das Tier in einem Zoofachgeschäft.
Es gibt auch bessere Tierhändler, aber in den meisten Fällen hat das Personal so mäßig Ahnung, den Tieren wird keinesfalls medizinische Versorgung zu Teil und die Haltung ist suboptimal. Dazu kommt, dass Züchter dort hauptsächlich ihren Ausschuss hingeben, den sie selbst nicht verkaufen konnten, und der Preis (der Händler möchte ja auch verdienen) exorbitant höher ist als beim Züchter.

Die Haltung klingt gut, da müsst ihr euch keine Vorwürfe machen. Ohne ein Bild des Terrariums zu sehen, wette ich mal, dass es nicht ideal eingerichtet ist - zu viel Leerraum, da tastet man sich mit der Zeit ran - aber daran stirbt ein Königspython nicht.

Wie Spielverderber empfiehlt, würde ich das Terrarium - falls OSB - nicht weiterverwenden, außer ihr habt eine Sauna o.Ä., wo man es durcherhitzen und anschließend desinfizieren kann. Die Einrichtung sollte komplett getauscht werden (lest euch dazu hier ein - kein Mensch muss überteuerte "Reptilienerde" kaufen).

Zum Vorgehen beim neuen Tier: Wenn vorher ein Check-Up (Kotprobe) gemacht wurde, lasst euch das schriftlich bestätigen. Ansonsten das Tier erstmal einen Monat in Quarantäne halten (ein Becken lässt sich gut aus einer großen Plastikkiste bauen, ohne Beleuchtung, nur Heizmatte + Thermostat), dann ins neue Becken. Die Einrichtung könnt ihr hier gern gegenchecken lassen - beim regius sollte das Terrarium gut ausgefüllt werden.

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Seriva Senkalora
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Re: Pathologischer Befund - Königspython

Beitrag von Seriva Senkalora » Do Apr 08, 2021 8:20

Das ist für das erste Tier natürlich sehr bedauerlich und kein schöner Einstieg in dieses Hobby. :-(
peregrinus hat geschrieben:
Do Apr 08, 2021 1:11
Zum Vorgehen beim neuen Tier: Wenn vorher ein Check-Up (Kotprobe) gemacht wurde, lasst euch das schriftlich bestätigen. Ansonsten das Tier erstmal einen Monat in Quarantäne halten (ein Becken lässt sich gut aus einer großen Plastikkiste bauen, ohne Beleuchtung, nur Heizmatte + Thermostat), dann ins neue Becken. Die Einrichtung könnt ihr hier gern gegenchecken lassen - beim regius sollte das Terrarium gut ausgefüllt werden.
Da Papier verdammt geduldig ist, würde ich da grundsätzlich nicht drauf vertrauen sondern den Neuzugang selbst in den ersten vier Wochen zum reptilienkundigen Tierarzt bringen und untersuchen lassen (Abstrich etc.). So ein Check kostet 35-50€ und gibt einem erste Sicherheit. Virentests kann bzw. sollte man auch machen, kommen mit 80-100€ on top. Sind leider immer mehr auf dem Vormarsch. (Laboklin bietet da z. B. für die bei Pythons häufigsten Virenerkrankungen einen Kombi-Check an.)

Eine vernünftige Quarantäne geht dann auch über sechs statt einen Monat, da manches eine längere Inkubationszeit hat.
Lieber am Anfang zu vorsichtig sein, als am Ende dumm da stehen!

Viel Erfolg!

LG
Seriva
Die Erfahrung ist wie eine Laterne im Rücken; sie beleuchtet stets nur das Stück Weg, das wir bereits hinter uns haben.
(Konfuzius)

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